Praxis für Krankengymnastik und Physiotherapie, Jörg Preuße, Lübeck

heilmittelrichtlinien
was gilt seit juli 2004?

Nach Einführung der neuen Zuzahlungsregelung im Januar 2004 gibt es seit Juli 2004 die nächsten Änderungen, die den Bereich der Physiotherapie berühren.

Zu diesem Zeitpunkt traten neue Heilmittelrichtlinien in Kraft. Wir wollen im folgenden Text die wichtigsten Änderungen, die Sie als Patienten unserer Praxis betreffen, zusammenfassen.

Regelfall

  • Die erste Neuerung ist die Beschränkung der Verordnungsmenge pro Diagnose. Bis auf wenige Ausnahmen darf der verordnende Arzt nur noch sechs Behandlungen pro Rezept verordnen (Ausnahme: Nerven- und Hirnschädigungen mit 10 Behandlungen pro Rezept).


  • Weiter werden Diagnosen zu Diagnosegruppen zusammengefaßt.

    In Gruppe 1 finden sich Erkrankungen, bei denen ein kurzzeitiger Behandlungsbedarf prognostiziert wird. In diesen Fällen ist keine Folgeverordnung vorgesehen.

    Erkrankungen der Gruppe 2 erfordern voraussichtlich eine längere Behandlung. Ein Folgerezept von sechs (Ausnahme bei neurologischen Erkrankungen: 10) weiteren Behandlungen ist möglich.

Nach diesen sechs bzw. 12 (Ausnahme: 10 bzw. 20) Behandlungen muß eine Behandlungspause von 12 Wochen eingehalten werden.

  • Ein Wechsel von Gruppe 1 in Gruppe 2 ist möglich, wenn die Behandlung doch länger dauert als zunächst angenommen.

Dieses Vorgehen ist der Regelfall. (Ausnahmen vom Regelfall siehe Verordnungen außerhalb des Regelfalles weiter unten)

  • Der Regelfall gilt für jede Diagnose, d.h. wenn Sie an Beschwerden der Halswirbelsäule, der Lendenwirbelsäule und des Daumengrundgelenkes leiden, können drei Regelfälle eintreten, folglich also mehrere Rezepte gleichzeitig ausgestellt werden, oder aber nachdem die Halswirbelsäule "abgearbeitet" ist, folgt eine Verordnung für die Lendenwirbelsäule und danach für den Daumen. Wenn seit der Behandlung der Halswirbelsäule dann 12 Wochen vergangen sind, tritt ein neuer Regelfall ein.

Diese Regelfälle sind nicht budgetiert, d.h. es gibt keine finanziellen Gründe, diese (Minimal)-Verordnungen zu verweigern.

Verordnung außerhalb des Regelfalles

Bei bestimmten Erkrankungen gibt es die Möglichkeit, daß der Arzt eine Verordnung außerhalb des Regelfalles ausstellt. Diese muß von Ihrer Krankenkasse genehmigt werden. Dazu muß der ausstellende Arzt diese Verordnung mit entsprechender Prognose begründen.

  • Solange das Genehmigungsverfahren Ihrer Krankenkasse läuft, kann die Behandlung aufgenomen werden.

  • Verweigert die Krankenkasse die Genehmigung, ist dagegen Widerspruch möglich, notfalls auch als Klage vor einem Sozialgericht. Solange das Verfahren dauert, kann weiterbehandelt werden.

  • Alle Ersatzkassen (z.B. Barmer, DAK, GEK, Hamburg-Münchener, HEK) und einige andere Krankenkassen (z.B. Dräger & Hanse BKK) verzichten generell auf eine Genehmigung.

  • Bei Langfristverordnungen gibt es eine großzügigere Regelung der maximalen Anzahl an Behandlungen.

    Der Arzt darf ein Rezept mit sovielen Behandlungen ausstellen, wie in 12 Wochen möglich sind. Wenn der Arzt also verordnet, daß Sie einmal pro Woche zur Behandlung kommen sollen, kann er ein 12er-Rezept ausstellen, bei zwei Terminen pro Woche ein 24er- und bei drei Behandlungen pro Woche ein 36er-Rezept.

    Darauf sollten Sie achten, weil kleinere Rezepte höhere Zuzahlungskosten nach sich ziehen.

Außer seinem Aufwand für das Schreiben der Begründung hat der Arzt auch bei Verordnungen außerhalb des Regelfalles keine Nachteile, wenn er Ihnen diese Rezepte ausstellt, weil die Krankenkasse durch ihre Genehmigung den Arzt aus der finanziellen Verantwortung entläßt.


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