Praxis für Krankengymnastik und Physiotherapie, Jörg Preuße, Lübeck

was ist die feldenkrais-methode?


Ein Kind lernt das Radfahren: Unbeholfen versucht es, die Balance zu halten. Die eigentlich kreisförmige Bewegung beim Treten der Pedale ist abgehackt und stockend, der Fahrradlenker wird krampfhaft umklammert und hin- und hergerissen. Erst nach zahlreichen Experimentierstunden mit aufgeschlagenen Knien ist das neue Bewegungsmuster erlernt und "verinnerlicht". Ohne Nachdenken und Kraftanstrengung wird die Balance gehalten, die Bewegungen sind harmonisch, der Lenker wird mit einer Hand locker geführt.

Ein Nichtschwimmer bei den ersten Schwimmübungen: Hastig und viel zu impulsiv bewegt er Arme und Beine, um den ungewohnten Wasserwiderstand bei der Bewegung zu überwinden. Der Kopf wird krampfhaft über der Wasseroberfläche gehalten. Ohne die Schwimmärmel würde er wohl wie ein Stein versinken. Nach einigen Übungsstunden ist der Bewegungsablauf harmonisch, der Schwimmer gleitet elegant in seinem neuen Element. Er muß jetzt nicht mehr bewußt darum kämpfen, nicht unterzugehen, sondern er genießt seine neugewonnene Freiheit im Wasser.

Bewegungsmuster werden erlernt

Der Mensch lernt im Laufe seines Lebens zahlreiche solcher Bewegungsmuster, die nahezu unbewußt ablaufen. Er bedient sich dabei eines feinabgestimmten Informations- und Steuersystems zwischen Sinnesorganen und Muskulatur:

Ständig wird die Lage des Körpers und jeder seiner Gliedmaßen, die Spannung der Muskeln, die Stellung jedes Körpergelenkes registriert. Das Gehirn reagiert auf diese Meldungen, indem es die Muskelspannung - wenn nötig - reduziert oder anhebt, Bewegungsmuster harmonisiert. Diese Verbindung aus Sinnen (Sensorik) und Bewegung (Motorik) wird als Sensomotorik bezeichnet. Eine wichtige Funktion dabei hat die Tiefensensibilitäit.

Tiefensensibilität: Feine Abstimmung

Stellungssinn, Kraftsinn und Bewegungssinn bilden gemeinsam die sogenannte Tiefensensibilität.
  • Der Stellungssinn vermittelt uns über Fühler (Rezeptoren) an den Gelenkkapseln genaue Informationen über den Winkel, in dem jedes Körpergelenk steht. Ein einfacher Versuch macht das deutlich: Wenn man mit geschlossenen Augen den linken Arm beugt, kann man den rechten Arm ohne optische Kontrolle in exakt die gleiche Position bringen.
  • Der Bewegungssinn informiert uns über Gelenkbewegungen, die durch Gelenk- und Muskelfühler registriert werden. Gemessen wird die Geschwindigkeit, in der sich die Gelenkstellung (also der Winkel) ändert. Auf diese Weise werden auch kleinste Bewegungen deutlich wahrgenommen. Es ist dabei egal, ob sie aktiv oder passiv ausgeführt werden.
  • Der Kraftsinn vermittelt uns Informationen darüber, wieviel Muskelkraft wir aufwenden müssen, um einen Gegenstand zu heben oder zu halten. Fühler in der Muskulatur messen dabei die Muskeldehnung, die notwendig ist, um eine Bewegung auszuführen oder eine Gelenkstellung zu halten. Der Kraftsinn arbeitet sehr genau. Sogar Gegenstände, die sich vom Gewicht her nur um ein Zehntel unterscheiden können wir voneinander trennen.
Die Tiefensensibilität vermittelt uns so ein Bild von unserer Position in der räumlichen Welt. Durch kleinste Steuerimpulse an die Muskulatur verändert das Zentralnervensystem ständig korrigierend die gemeldete Muskelspannung, ohne daß uns dies bewußt wird. Zum Beispiel ist es nötig, daß die Streckmuskeln des Arme erschlaffen, bevor der Arm gebeugt werden kann.

Von Störungen dieses sensiblen Zusammenspieles sind viele Menschen betroffen: Wer kennt nicht schmerzhafte Muskelverspannungen bei seelischen Belastungen? Wer hatte nicht schon einmal "Spannungskopfschmerz"? Welcher Computerarbeiter leidet nicht gelegentlich unter Muskelschmerzen und Verspannungen? Diese Gesundheitsprobleme haben eine Gemeinsamkeit: Immer ist auch die Verbindung zwischen Sinnen und Bewegung, die Sensomotorik, an der Entstehung beteiligt.

Moshe Feldenkrais: "Vater" der Methode

Moshe Feldenkrais war fasziniert vom Zusammenspiel von Nervensystem, Psyche und Muskulatur. Seine Methode will "Bewußtheit durch Bewegung" erreichen.

Das Interesse des Kernphysikers Moshe Feldenkrais (1904-1984) galt der Erforschung der Funktionsweise des Nervensystems und des menschlichen Verhaltens. Bereits 1949 stellte er Theorien über die Sensomotorik und ihre therapeutische Beeinflussung auf, 1954 gab er seinen eigentlichen Beruf endgültig auf und wandte sich ganz seiner neuen Methode zur körperlichen und geistigen Harmonisierung zu. Feldenkrais’ prominentester Patient und Förderer war der damalige israelische Ministerpräsident Ben Gurion.

Die bereits seit langem bestehende Erkenntnis, daß Sensorik und Motorik eine untrennbare Einheit bilden, bereicherte Moshe Feldenkrais um den Aspekt, daß sich Motorik und ihre Wahrnehmung auch auf die Psyche auswirken. Dies führte Moshe Feldenkrais zur Entwicklung von Bewegungsübungen, die nicht nur körperliche Beschwerden lindern, sondern auch geistige Reserven mobilisieren sollen. Dabei führt der Lernende unter Anleitung Bewegungen wiederholt bewußt durch, erlernt neue Bewegungsmuster und erlebt das Zusammenspiel zwischen Nervensystem, Psyche und Muskulatur.

Jedes neu erlernte Bewegungsmuster erweitert nicht nur den körperlichen Bewegungsspielraum. Starre Denk- und Wahrnehmungsgewohnheiten werden überprüft, ungenutzte Potentiale sollen geweckt werden.

"Feldenkrais" ist keine Heilbehandlung.

Mit Hilfe der Feldenkrais-Methode können gewohnheitsmäßige Verhaltensweisen, die Einschränkungen, Verspannungen und mitunter Schmerzen mit sich bringen, erkannt und verändert werden. Dank der bewußten Wahrnehmung der eigenen Grenzen wird die Suche nach anderen Bewegungsmöglichkeiten zu einer wahren Entdeckungsreise.
Übung der Feldenkrais-Methode
Das Erkennen der Vielfalt an möglichen alternativen Bewegungsabläufen, die der menschliche Körper in sich birgt, zieht verblüffende Ergebnisse nach sich. Es handelt sich bei der Feldenkrais-Methode um einen Lernprozeß, der Bewegungen und Bewegungsabläufe nicht erst künstlich entwickeln muß, sondern deren ursprüngliche Vielfalt wiederentdeckt, die im Laufe der Jahre durch Unaufmerksamkeit, Bequemlichkeit und Angewohnheiten buchstäblich verschüttet worden sind.

Die Feldenkrais-Methode geht davon aus, daß Bewegung die Grundlage aller menschlichen Entwicklungsprozesse ist. Sie führt Menschen jeden Alters durch Bewegungslektionen und forscht nach den individuellen Möglichkeiten, beweglicher und lebendiger zu werden.

Wie wir uns bewegen und mit uns umgehen, kann als Spiegel für unser Selbstverständnis dienen. Denken und Bewegung hängen unmittelbar zusammen; diesen Zusammenhang gilt es wahrzunehmen, ihn zu entdecken und neue Wege daraus zu entwickeln.

Die Übungen werden einzeln oder in Gruppen unter Leitung eines Feldenkrais-Lehrers durchgeführt, der eine vierjährige Ausbildung absolviert hat.

Ziel des Einzelunterrichts ist die Funktionale Integration, das des Gruppenunterrichts Bewußtheit durch Bewegung.

Feldenkrais bei uns

Zur Zeit sind bei uns keine Kurse in Bewußtheit durch Bewegung möglich.

Die Eckdaten entnehmen Sie bitte der folgenden Übersicht.

Bewußtheit durch Bewegung
Zeit: montags, 20.00 Uhr
(Anmeldung erbeten !!!)
Kosten: EUR 55,-- für sechs Abende à 90 Minuten
Gruppenstärke: maximal 10 Personen



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